Ist die Rechtsschutzversicherung sinnvoll? Pro und Contra

Jeder vierte Deutsche ist auf eine gerichtliche Auseinandersetzung vorbereitet – mit einer Rechtsschutzversicherung. Damit zählt sie zu den am weitesten verbreiteten freiwilligen Policen. Dank dieses Schutzes können viele Verbraucher ihr Recht schließlich auch durchsetzen. Aber ist die Rechtschutzversicherung deshalb sinnvoll? Oder gibt es auch andere, günstigere Wege, zu seinem Recht zu kommen? Verbraucherschützer schätzen die Absicherung unterschiedlich ein.

Ob die Rechtsschutzversicherung sinnvoll oder nicht ist, können Bürger nicht nur anhand von Pro und Contra erkennen. Manche Zielgruppen benötigen die Police dringender als andere, so dass auch der Einzelfall darüber entscheidet, ob eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll ist.

Dabei geht es auch um die Frage, welche Bereiche des Lebens überhaupt abgesichert werden sollen.

Eine Rechtsschutzversicherung kann aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzt werden: Die Bausteine Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz können auch in einer Kombi-Versicherung vereint werden. Ebenfalls wichtig kann der Schutz für Mieter, Vermieter oder Eigentümer sein.

Rechtsschutzversicherung notwendig? Vorteile der Police

Die Rechtschutzversicherung dient in erster Linie dazu, um eigene Ansprüche ohne finanzielles Risiko geltend zu machen. Damit leistet sie einen gesellschaftlichen Beitrag, dass auch ärmere Verbraucher ihr Recht notfalls einklagen können. Denn viele Verbraucher schrecken anhand der drohenden Prozesskosten vor einem Gerichtsstreit zurück. Selbst bei einem geringen vierstelligen Streitwert können schnell mehrere tausend Euro an Kosten anfallen.

Stiftung Warentest macht mit einem Beispiel deutlich, dass die Kosten in zweiter Instanz (über 1.500 Euro) bereits 1,5 Mal so hoch sind wie der ursprüngliche Streitwert (1.000 Euro). Zieht sich der Prozess bis in die dritte Instanz, erhöht sich die Summe auf 2.600 Euro. Ungleich höher ist das Risiko bei teureren Beträgen. Laut Check24 betragen bei einem Streitwert von 8.000 Euro allein die Kosten für Gericht und Anwälte 6.500 Euro.

Eine Rechtsschutzversicherung ist also sinnvoll, um sich nicht von solchen Zahlen abschrecken zu lassen. Die Unternehmen kommen vor Gericht für alle wichtigen Kosten auf: Sie zahlen sowohl das eigene Anwaltshonorar als auch die Kosten der Gegenseite. Außerdem werden selbstverständlich auch die Gerichtskosten und Zeugengelder übernommen. Darüber hinaus leisten die Rechtsschutzversicherer auch dann, wenn ein Anwalt außergerichtlich für eine gütliche Einigung sorgt. Durch eine Mediation können vor allem alltägliche Konflikte, etwa mit dem Nachbarn, aus der Welt geschafft werden. Ein weiterer Vorteil: Beide Seiten können anschließend ihr Gesicht wahren.

Rechtsschutzversicherung nicht sinnvoll? Nachteile der Police

Andererseits handelt es sich bei einer Rechtsschutzversicherung keinesfalls um ein „Rundum-Sorglos-Paket“. Die Versicherer schließen bestimmte Fälle aus dem Schutz aus. Abgesichert sind nur Konflikte

  • mit Erfolgsaussichten
  • die keinen mutwilligen Anschein haben
  • und bei denen die Relation zu dem angestrebten Erfolg stimmt.

Darüber hinaus werden ganze Bereiche ausgeschlossen, vor allem:

  • Streitigkeiten über angelegtes Kapital (bei höheren Summen als 10.000 oder 20.000 Euro)
  • Scheidungen
  • Alles rund um den Bau oder die Finanzierung einer Immobilie

Die Rechtsschutzversicherung nützt ebenso wenig, wenn der Konflikt schon vor dem Versicherungsbeginn eintrat.

Ein Beispiel:
Herr Meier erhält von seinem Arbeitgeber eine Kündigung und hält diese für unrechtmäßig. Deshalb schließt er unverzüglich eine Rechtsschutzversicherung ab. Anschließend klagt er vor Gericht, dass er erneut als Arbeitnehmer eingestellt wird. Kein Rechtsschutzversicher würde aber die Kosten übernehmen, weil der Streit schon vor Vertragsbeginn entfacht war.
Siehe hierzu auch unseren Artikel zum Thema Rechtsschutz ohne Wartezeit. Oft ist es aber schwerer zu entscheiden, was der Auslöser war und ob er vor oder nach dem wichtigen Zeitraum lag. Deshalb ist es wichtig, die Rechtsschutzversicherer professionell zu vergleichen und sich für ein möglichst verbraucherfreundliches Unternehmen zu entscheiden. Auf der Startseite findet sich ein Überblick über die Testsieger, der die Orientierung erleichtert.

Auf Wartezeit bei Rechtsschut achten

Außerdem sichern sich die Versicherer durch eine dreimonatige Wartezeit ab.  Damit soll verhindert werden, dass Kunden eine Rechtsschutzversicherung erst dann abschließen, wenn bereits Bedarf besteht. Direkt mit dem Beginn der Versicherung sind etwa Konflikte im Familienrecht oder Schadenersatzfragen versichert. Die dreimonatige Wartezeit gilt laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in diesen Bereichen:

  • Arbeit
  • Steuer
  • Sozialgericht
  • Verkehrsverwaltung
  • Vertrag und Sachenrecht
  • Wohnung und Grundstück

Fazit: Wenn der Konflikt bereits besteht, ist eine Rechtsschutzversicherung in keinem Fall sinnvoll. Der Versicherungsschutz muss vorausschauend, für eventuell auftretende zukünftige Konflikte, verabredet werden. Das macht es den Kunden umso schwerer, weil viele Konfliktpotentiale im Vorfeld unterschätzt oder gar nicht wahrgenommen werden.

Wie sinnvoll ist nun die Rechtsschutzversicherung?

Verbraucherschützer sind sich darüber einig, dass die Rechtsschutzversicherung nicht zu den Policen gehört, die im Ernstfall die ganze Existenz gefährden. Es ergibt sich unter den Experten aber kein klares Bild, ob eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll oder überflüssig ist. Diese drei unterschiedlichen Stimmen veranschaulichen die auseinandergehenden Meinungen über die Rechtsschutzversicherung.

Stiftung Warentest stellt fest:
Wegen der doch recht hohen Kosten sollte der Abschluss einer Rechtschutzversicherung gut überlegt sein. Die Leistungsausschlüsse sind enorm.
Die Zeitschrift Ökotest (Ausgabe 1/2014) äußert sich positiv:
Trotz der Querelen um die richtige Anwaltswahl und die Streitschlichtung bleibt die Rechtsschutzversicherung sinnvoll. So kann man auf Augenhöhe gegen einen starken Gegner streiten.

Der Bund der Versicherten weist darauf hin, dass andere Versicherungen wie Haftpflicht oder Berufsunfähigkeitsversicherung ebenso wie die Unfall-, Risikolebens-, Hausrat- und Wohngebäudeversicherung Priorität genießen sollten. Erst danach sollten Verbraucher eine Rechtsschutzversicherung in Betracht ziehen.

Der Bund der Versicherten konstatiert deshalb:
Die Rechtsschutzversicherung zählt zu den weniger wichtigen Versicherungen.

Rechtsschutzversicherung in Verkehr, Beruf und privat

Nicht jeder Verbraucher benötigt einen Rechtsschutz in allen Lebenslagen. Stattdessen können sich Kunden auch in einzelnen Bereichen absichern:

Aufgrund der vielzähligen Möglichkeiten ist es schwer, pauschal über Sinn und Unsinn einer Rechtsschutzversicherung zu urteilen. Je nach Risiko kann eine Rechtsschutzversicherung in den genannten Bereichen unterschiedlich sinnvoll sein. Ein reiner Verkehrsrechtsschutz kostet außerdem weniger als 10 Euro im Monat, während das Paket nur für mehrere hundert Euro im Jahr zu haben ist. Dennoch ist die Kombination günstiger, wenn sich Kunden in allen Bereichen absichern möchten.

Der Verkehrsrechtsschutz bietet laut Stiftung Warentest „viel Schutz für wenig Geld“. Der eher kritische Bund der Versicherten stuft eine entsprechende Police für Vielfahrer als sinnvoll sein. Auch Fahrradfahrer, die viel unterwegs sind, können über einen Verkehrsrechtsschutz nachdenken. Bei Passanten ist das Risiko eher geringer, in einen Unfall mit ungeklärter Schuldfrage verwickelt zu werden. Trotzdem ist dieser Fall nicht ausgeschlossen. Der Rechtsschutz ist generell bei Unklarheiten und nicht für den Schaden selbst zuständig. Für Schäden an anderen Personen haftet die KFZ Haftpflicht beziehungsweise Privat-Haftpflicht.

Bei privaten Auseinandersetzungen ist vor allem die Persönlichkeit des Verbrauchers entscheidend – also wie sehr jemand auf sein Recht pocht oder ob er Konflikte eher scheut. Typische Fälle sind Nachbarschaftsstreit oder Ärger über geschlossene Verträge.

Berufsrechtsschutz in manchen Fällen notwendig

Im Bereich des Berufsrechtsschutzes hält der Bund der Versicherten eine Absicherung für sinnvoll, wenn Probleme am Arbeitsplatz abzusehen sind. Ein hohes Berufsrisiko entsteht beispielsweise für Besitzer oder Vermieter von Immobilien. Auch Freischaffende, Künstler und Selbstständige können in Konflikte mit ihren Kunden geraten. Ärzte, Steuerberater oder auch Lehrer sind ebenfalls durch ihren Beruf gefährdet.

Eine Rechtsschutzversicherung erhöht die wirtschaftliche Sicherheit – auch, weil beide Parteien vor Gericht in erster Instanz unabhängig vom Ausgang des Verfahrens die Kosten selbst übernehmen müssen. Selten betroffen sind Berufseinsteiger, die oft auf einen Rechtsschutz verzichten können. Außerdem sind Senioren mit Eintritt in ihre Rente kaum noch auf einen entsprechenden Schutz angewiesen. Dem tragen die Unternehmen Rechnung, indem sie spezielle Senioren-Tarife anbieten. Diese günstigeren Angebote umfassen lediglich die wichtigsten Risiken, die mit der Karriere zusammenhängen – beispielsweise Auseinandersetzungen über die betriebliche Altersvorsorge.

Im Miet- und Vermieterrechtschutz kann eine Absicherung ebenfalls von großer Bedeutung sein. Schließlich hängt nicht nur die eigene Existenz, sondern oft auch das Herz an der Wohnung. In Ballungszentren mit einem umkämpften Wohnungsmarkt entstehen üblicherweise häufiger Konflikte, wenngleich auch in ruhigeren Regionen Ärger mit dem (Ver)mieter keinesfalls ausgeschlossen ist. Darüber hinaus gibt es auch einen Schutz für Eigentümer, der beispielsweise Grundstücksstreitigkeiten umfasst.

Rechtsschutz für die Familie oder als Alleinstehender?

Wer sich für eine Rechtsschutzversicherung entscheidet, hat die Wahl zwischen Familientarif und einer Police für Alleinstehende. Die Familienrechtsschutzversicherung ist in der Regel nur unwesentlich teurer und gilt auch für Ehepartner und Kinder. Mindestens bis zur Volljährigkeit ist der Nachwuchs also über die Police von Vater oder Mutter geschützt. So sind Konflikte der ganzen Familie abgesichert. Beispielsweise im Hause Müller: Vater Franz nutzt den Verkehrsrechtsschutz, weil es bei einem zerbeulten Kotflügel zu einem Streit kommt. Sohn Adrian hat illegal Filme aus dem Netz heruntergeladen und muss sich mit Mahnungen auseinandersetzen. Und Frau Sophie möchte die Kündigung ihres Arbeitgebers nicht akzeptieren und ist sich der Unterstützung der Rechtsschutzversicherung sicher. Kommt es allerdings zu einer Scheidung, ist die Rechtsschutzversicherung nicht zur Stelle.

Ob als Single oder als Familie – häufig ist es sinnvoll, bei der Rechtsschutzversicherung einen Selbstbehalt zu vereinbaren. Eine Eigenbeteiligung von beispielsweise 150 Euro reduziert die Kosten pro Jahr um 50 bis 100 Euro. Ohnehin ist es nicht zu empfehlen, kleinere Schäden abzudecken. Denn wer allzu streitlustig ist, riskiert den Versicherungsschutz. Beide Seiten können den Vertrag auflösen, wenn innerhalb von zwölf Monaten zwei Konflikte entstanden sind.